Nachdem viele Investoren Hohwacht für sich entdeckt und fragliche Neubauten in Windeseile errichtet haben, wird die nächste Stufe des Bauwahns überall gezündet.

Greenwashing ist das Gebot der Stunde.

Das Wort “nachhaltig” wird von Bauherren an vielen Stellen überbordend und oft falsch verwendet, um Einwohnern, Gemeindevertretern und, nicht zuletzt, auch Feriengästen den Eindruck zu vermitteln, dass Neubauten und Verreisen irgendwie nicht schädlich sind für das Klima und die Zukunft des Planteten.

In einer Gesellschaft, die am übermäßigen Verbrauch von Ressourcen zu ersticken droht, wäre das einzig wahre Nachhaltige gar nicht zu bauen. Wo Wohnraum wirklich fehlt, sollten ausschließlich Bestandsgebäude auf sorgfältige Art und Weise saniert werden. Neu zu bauen heißt immer unumgänglich, dass zusätzliche Ressourcen verbraucht werden.

Auszug aus dem Online-Duden (© Dudenverlag)

Wir haben bereits über die waghalsige Werbung von „De Ole School“ berichtet, die tausende Tonnen Betonfundament und 5,000 m2 frisch versiegelten Boden unmittelbar mit dem Begriff „nachhaltig“ in Verbindung bringt. Es ist wohl wahr, dass Teile der neuen Gebäude aus Holz und holzhaltigen Materialien bestehen. Woher das Holz stammt und welche anderen „regionalen Materialien“ verbaut wurden, bleibt aber leider im Unklaren.

Die neuen Ferienhäuser des Investors Marco Nußbaum im Möwenweg werden beworben mit einem von den Feriengästen bezahlten CO2-Ausgleich. Dieser fließt in die „First Climate“-Initiative, die ein „nachhaltiges Projekt“ im Amazonasgebiet zur Vermeidung von Abholzung unterstützen soll. Das ist alles schön und gut, aber was hilft uns ein Projektchen in Südamerika wenn Hohwacht weiter verbaut und versiegelt wird? Was helfen zwanzig Euro Übernachtungsaufschlag, wenn Brasiliens Regierung den Einschlag von durchschnittlich drei Fussballfeldern Regenwald pro Minute erlaubt?

Auf die wirkliche Effektivität der rasant wachsenden Zahl von umweltbezogenen Zertifizierungen hier einzugehen, würde den Rahmen sprengen. Denken Sie nur daran, dass die Zertifizierungsunternehmen auch Geld verdienen wollen. Fälle wie die ISO Umweltzertifizierung des AKW Isar-Ohu in Bayern oder die „Meeresplastik“-Turnschuhe von Adidas (die weniger als ein halbes Prozent aller verkauften Schuhe ausmachen) zeigen deutlich wie irreführend solche Labels sein können.

Bleiben Sie wachsam! Nicht alles ist grün, wo grün drauf steht!

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Nachtrag zum Neubau „De Ole School“ am 25.11.2021:

Mit Bezug auf den offenen Brief von Holger Gerwin, einer der Geschäftsführer der SEED GmbH (siehe unten), sind wir erfreut zu lesen, dass tatsächlich einige nachhaltige Impulse in dem Projekt stecken. Zukünftig sind wir bereit, einen offenen Dialog mit allen Beteiligten zu führen.

Nicht alle Kritikpunkte in Herr Gerwin’s Text beziehen sich auf unsere Artikel – dennoch veröffentlichen wir jetzt an dieser Stelle sein Kommentar mit dem Link zu seinem offenen Brief.

Titelbild © marketingdirecto.com

One thought on “Greenwashing Ahoi!

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